Seltsame Pakete

Quantastische Comics

Das Erlanger Zentrum für Literatur und Naturwissenschaften (ELINAS) hat 2025 anlässlich von 100 Jahren Quantenphysik ein interdisziplinäres Projekt mit freien Comicschaffenden und Physikern des Friedrich-Alexander-Universität (FAU) initiiert. 27 Comiczeichner:innen haben an einem mehrtägigen Workshop am Physikalischen Institut der FAU teilgenommen und Comics zu unterschiedlichen Aspekten und Phänomenen der Quantenpyhsik eingereicht. Die Ergebnisse werden aktuell zu einem Buch zusammengetragen. Darin werden die Comics thematisch sortiert und einführenden Texten gegenüber gestellt.

Hintergrund zu „Seltsame Pakete“

Das Thema des Comic-Beitrags ist die schwer zu begreifende
Natur von Licht. Der Streit darum, was Licht ist – Welle oder Teilchen – hat vor etwa 100 Jahren zur ersten Formulierung der Quantentheorie beigetragen. Was Physiker sich heute unter Licht vorstellen und welches Weltbild sich daraus ergibt, ist die Frage, der ich versucht habe nachzugehen.

Von Physikern der FAU haben wir in einem Workshop in Erlangen erfahren, dass Licht weder Teilchen noch Welle ist. Es gibt keine einfache Analogie, die intuitiv verständlich ist, aber es scheint notwendig, sich von jeglichen Ideen Substanz-Vorstellungen zu lösen. Keine einfache Aufgabe, weder in Wort noch in Bild. 

Wir haben gemeinsam versucht, Licht eher als sich immer wieder ergebende diskrete Ereignisse zu begreifen, deren Vorkommen wir nur zum Teil aber mit extrem genau kalkulierbaren Wahrscheinlichkeiten vorhersagen können. Mit diesem „Flackern“ zwischen sich überlagernden Möglichkeiten und konkretem Ereignis habe ich versucht zu arbeiten, indem ich das Comic-Panel als Ereignis und den Zwischenraum als Möglichkeitsraum verwende. Gleichzeitig habe ich gemerkt, wie schwer es ist, sich von der Vorstellung von Teilchen zu lösen, die auf Wahrscheinlichkeitswellen schwimmen! Immerhin gibt es in meinem Comic keine untote Katze.

Auszug aus dem Open Call

Dem Workshop, der im November 2025 in Erlangen stattgefunden hat, war ein Open Call vorangegangen, den über 50 Comiczeichner:innen beantwortet haben. Der Ausschreibungstext enthält folgende Einladung:

Vor 100 Jahren wurde die Quantentheorie begründet – ein Meilenstein, der unser physikalisches Weltverständnis, die Grundlagen unseres Lebens und unser Selbstbild grundlegend verändert hat. Aus diesem Anlass haben die Vereinten Nationen das Jahr 2025 zum ›Internationalen Jahr der Quantenwissen-schaft und -technologie‹ ausgerufen.

Die Phänomene der Quantenwelt finden gemeinhin zwischen
Unsichtbarem und Unvorstellbarem statt; um den Weg in unseren Vorstellungsraum zu finden, bedürfen sie in der Regel einer kreativen Formgebung. Unser menschliches Begreifen (im wahrsten Sinne des Wortes) ist sehr vom Sinnlichen und Dinglichen abhängig, sind wir dies schließlich selbst. Wo sich Bildwelten in der Physik nicht mehr von alleine erschließen, können letztendlich nur Tusche und Künstler:in mit lebendigem Strich diese Leerstellen ausfüllen. Zusammen mit Comic-Schaffenden wollen wir die Vorstellbarkeit von Quantenphysik jenseits überholter popkultureller Referenzen neu illustrieren und das ewige Tierheim der untoten Katzen verlassen.

Wer wagt mit uns dieses Experiment an den Rändern unserer Vorstellungskraft?

Weiterführende Informationen auf der Seite der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.